Asphalteinbau im Hitzesommer 2026: Enges Verdichtungsfenster trotz Rekordwärme

Der Hitzesommer 2026 trifft auf die ZTV Asphalt-StB 26. Warum der Asphalteinbau trotz Rekordwärme ein engeres Verdichtungsfenster hat und was Kolonnen brauchen.

Der Sommer 2026 hat in Deutschland mehrfach neue Rekordtemperaturen gebracht, zuletzt 41,8 Grad Ende Juni in Sachsen-Anhalt. Für den Asphalteinbau bedeutet das keine Erleichterung, wie man zunächst vermuten könnte. Die neue ZTV Asphalt-StB 26 senkt gleichzeitig die zulässigen Einbautemperaturen, wodurch sich das Zeitfenster für eine normgerechte Verdichtung verengt und die Belastung für das Baustellenpersonal steigt.

 

 

Warum ein heißer Sommer das Verdichtungsfenster nicht rettet

Die Annahme liegt nahe, dass hohe Außentemperaturen dem Asphalteinbau entgegenkommen. Je kleiner die Differenz zwischen Mischguttemperatur und Umgebungsluft, desto langsamer verliert eine frisch eingebaute Schicht Wärme über die Oberfläche. Bei 35 Grad Lufttemperatur kühlt Asphalt also tatsächlich etwas gemächlicher aus als bei 10 Grad im zeitigen Frühjahr.

Dieser Effekt wird jedoch von der Regelwerksumstellung überlagert, und zwar deutlich. Die ZTV Asphalt-StB 26 senkt die zulässige Verarbeitungstemperatur um rund 20 Grad ab, auf einen Bereich von etwa 130 bis 140 Grad Celsius. Der praktisch nutzbare Verdichtungsbereich endet dort, wo das Bindemittel so weit erstarrt ist, dass die Walze keine ausreichende Verdichtungsarbeit mehr leisten kann, üblicherweise um die 100 Grad Celsius. Damit schrumpft der rechnerische Puffer von früher etwa 50 bis 60 Grad auf nur noch 30 bis 40 Grad. Ein heißer Sommertag verlangsamt die Auskühlung geringfügig, ändert aber nichts an dieser viel kleineren Distanz zwischen Ausgangstemperatur und kritischer Grenze.

Ein zweiter Effekt wird in der Praxis oft übersehen. Hohe Lufttemperaturen gehen im Sommer 2026 regelmäßig mit praller Sonneneinstrahlung und Trockenheit einher. Dunkle, frisch eingebaute Asphaltoberflächen nehmen Sonnenstrahlung stark auf, wodurch die Oberflächentemperatur zeitweise höher liegen kann als die Kerntemperatur der Schicht. Für die Verdichtung bringt das keinen Vorteil, weil die entscheidende Größe die Temperatur im gesamten Schichtquerschnitt ist und nicht allein die Oberflächentemperatur.

 

 

Was die ZTV Asphalt-StB 26 für den Asphalteinbau ändert

Die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen hat die ZTV Asphalt-StB 26 im April 2026 veröffentlicht. Das Bundesministerium für Verkehr hat sie mit dem Allgemeinen Rundschreiben Straßenbau Nr. 8/2026 als Vertragsgrundlage eingeführt. Ausschlaggebend war in erster Linie der Arbeitsschutz, nicht die Klimabilanz. Ab dem 1. Januar 2027 gilt ein neuer Arbeitsplatzgrenzwert für Dämpfe und Aerosole bei der Heißverarbeitung von Bitumen, und temperaturabgesenkter Asphalt wird zur Regelbauweise.

Erreicht wird die Absenkung über Schaumbitumen oder viskositätsverändernde Zusätze, die das Bindemittel auch bei geringerer Temperatur ausreichend fließfähig halten. Folgende Eckwerte prägen die neue Praxis.

  • Verarbeitungstemperatur bei temperaturabgesenktem Asphalt üblicherweise 130 bis 140 Grad Celsius
  • Absenkung gegenüber klassischem Heißmischgut rund 20 Grad, auf Erprobungsstrecken bis zu 40 Grad
  • Temperaturabgesenkter Asphalt wird ab dem 1. Januar 2027 zur Regelbauweise
  • Arbeitsplatzgrenzwert für Dämpfe und Aerosole tritt zum selben Datum in Kraft

Für die Baupraxis bedeutet das eine doppelte Verschiebung. Die Ausgangstemperatur sinkt, während die kritische Untergrenze der Verdichtbarkeit unverändert bleibt. Wer bislang mit großzügigen Zeitreserven kalkuliert hat, sollte diese Kalkulation für die Bausaison 2026 und 2027 überprüfen, besonders bei dünnen Deckschichten, die ohnehin wenig Wärmespeicher mitbringen.

 

 

Hitzeschutz für das Personal beim Asphalteinbau

Während sich das technische Fenster verengt, verschärft der Sommer 2026 gleichzeitig die Arbeitsbedingungen der Kolonnen vor Ort. Der Deutsche Wetterdienst hat den bundesweiten Allzeitrekord mit 41,8 Grad am 27. Juni in Möckern-Drewitz bestätigt, nach einer elftägigen Hitzewelle, die an mehreren Stationen bisherige Bestwerte reihenweise übertraf. Im Juli lag die bundesweite Durchschnittstemperatur rund 2,8 Grad über dem langjährigen Klimamittel, der August setzte die Serie fort.

Für Beschäftigte, die unmittelbar an der Einbaustelle arbeiten, addiert sich die Umgebungshitze zur Abstrahlung des frisch eingebauten, noch weit über 100 Grad heißen Mischguts. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft weist Betriebe deshalb ausdrücklich auf systematische Hitzeschutzmaßnahmen hin, nachdem die Hitzeperioden im Juni bereits viele Kolonnen an ihre Belastungsgrenze gebracht haben.

Als fachliche Orientierung dient die ASR A3.5, auch wenn sie ursprünglich für Innenräume formuliert wurde. Ab 26 Grad Lufttemperatur empfiehlt sie erste Maßnahmen, ab 30 Grad werden diese zur Pflicht, ab 35 Grad gilt ein Raum arbeitsschutzrechtlich als ungeeignet. Für Baustellen im Freien lässt sich diese Staffelung nicht eins zu eins übertragen. Sie liefert aber einen belastbaren Orientierungsrahmen für die Gefährdungsbeurteilung, zu der jeder Arbeitgeber nach Paragraph 4 Arbeitsschutzgesetz ohnehin verpflichtet ist.

In der Praxis heißt das für den Asphalteinbau konkret, den Arbeitsbeginn in die frühen Morgenstunden vorzuziehen, Kolonnen zwischen Tätigkeiten mit hoher und geringer Hitzeexposition rotieren zu lassen und kurze, dafür häufige Pausen im Schatten einzuplanen. Trinkwasser muss auf Baustellen unabhängig von der Außentemperatur bereitgestellt werden. Technische Maßnahmen haben nach dem sogenannten TOP-Prinzip Vorrang vor organisatorischen und personenbezogenen, weil sie die Belastung an der Quelle reduzieren. Bei laufendem Asphalteinbau lässt sich die eigentliche Wärmequelle allerdings kaum verkleinern, weshalb organisatorische Maßnahmen hier ein besonders großes Gewicht bekommen.

 

 

Was das für Logistik und Personaleinsatz bedeutet

Weil sich die Wärmequelle selbst kaum reduzieren lässt, wird die Vermeidung unnötiger Wartezeiten zum wichtigsten Hebel, den Betriebe tatsächlich in der Hand haben. Jede Minute, die ein beladenes Fahrzeug ungenutzt auf der Baustelle steht, verkürzt gleichzeitig das Verdichtungsfenster und verlängert die Zeit, die eine Kolonne der Strahlungshitze des Mischguts ausgesetzt ist. Ein zügiger, gleichmäßiger Baustellenbetrieb entlastet damit Material und Personal in einem Zug.

Beim Transport spielt zudem eine Rolle, wie das Mischgut an den Fertiger übergeben wird. Konventionelle Kipper entladen das Material schichtweise, wobei sich kühlere Randbereiche vom heißen Kern trennen und zusätzliche Wartezeit am Fertiger entsteht, während die Mannschaft in der prallen Sonne auf die nächste Fuhre wartet. Isolierte Abschiebefahrzeuge wie der Fliegl Asphaltprofi-Thermo schieben das Mischgut gleichmäßig aus der Mulde, ohne Kippvorgang und ohne die damit verbundene Wartezeit am Fertiger. Das verkürzt die Hitzeperiode selbst nicht, entlastet aber den engeren Zeitkorridor der ZTV Asphalt-StB 26 und reduziert die Zeit, die Personal an ungeschützten Übergabestellen verbringt.

Für die kommende Bausaison lohnt sich deshalb ein zweiter Blick auf die eigene Logistikplanung neben der Mischgutrezeptur. Wie sich die Anforderungen der ZTV Asphalt-StB 26 im Detail auf Anlieferung und Übergabe am Fertiger auswirken, haben wir in einem gesonderten Beitrag zum Transport unter temperaturabgesenkten Bedingungen zusammengefasst. Wer die Umstellung auf ein isoliertes Abschiebesystem für die kommenden Bausaisons prüfen möchte, findet die technischen Daten zum ASW Stone LKW Thermo auf der Produktseite von Fliegl Baukom.