Thermomulde für Asphalt ausschreiben – diese Kriterien zählen

Eine Thermomulde ist im Leistungsverzeichnis schnell gefordert und ebenso schnell unterlaufen, wenn die Anforderung nur aus dem Wort Thermo besteht. Welche Dämmwerte ein Bieter nachweisen muss, wie sich die Mulde entleert und was beim Übergang in den Fertiger mit dem Mischgut geschieht, entscheidet über die Einbauqualität. Dieser Beitrag stellt Abschieber, Thermokipper und Beschickerlösungen gegenüber und liefert Formulierungen, die Sie in Ihr Leistungsverzeichnis übernehmen können.

Thermomulde für Asphalt ausschreiben und Wärmeverluste einordnen

Asphalt kühlt von außen nach innen aus. Der Kern bleibt lange heiß, die Randzone an Seitenwand, Boden und Oberfläche nicht, und genau diese Kruste wird beim Entladen mit eingebaut. Eine Dämmung senkt den mittleren Temperaturverlust gegenüber einem ungedämmten Fahrzeug um etwa 3 bis 5 Kelvin. Die Kruste beseitigt sie nicht.

Wie schwer das wiegt, zeigt der Zusammenhang zwischen Temperatur und Verdichtung. Bei 150 °C braucht eine Marshall-Probe rund 27 Schläge, um 98 Prozent Verdichtungsgrad zu erreichen. Bei 120 °C sind es über 100 Schläge, und bei 100 °C lässt sich der geforderte Mindestverdichtungsgrad auch mit hohem Aufwand nicht mehr erreichen. Unter 120 °C steigen erfahrungsgemäß Hohlraumgehalt und Spurrillenneigung, und der Schichtenverbund leidet. In der Ausschreibung wird oft nur auf die mittlere Einbautemperatur geschaut, entscheidend ist aber die kälteste Stelle. Mit welchen Werten lässt sich das fassen?

 

Dämmwerte nachweisen statt behaupten

Das Bundesrundschreiben RS 10/2013 verlangt für Trag-, Binder- und Deckschichten thermoisolierte Fahrzeuge und hat die Pflicht stufenweise bis 2019 auf alle Asphaltflächen ausgedehnt. Für die Dämmung nennt es zwei Mindestwerte.

  • Wärmedurchlasswiderstand des Wand- und Bodenaufbaus mindestens 1,65 m²K/W bei 20 °C
  • Temperaturbeständigkeit des Dämmstoffs bis 200 °C

Beim Fliegl Asphaltprofi Thermo und beim ASW Stone LKW Thermo besteht die Dämmung aus Fliegl Isotherm in mindestens 70 mm Stärke mit einem Lambdawert unter 0,028. Der Hersteller gibt einen R-Wert von 2,5 an und liegt damit deutlich über dem Mindestwert. Seitenwände, Boden, Front und Heck sind lückenlos verkleidet, bei Neufahrzeugen muss der Boden seit 2016 ohnehin gedämmt sein. Der R-Wert beschreibt allerdings die freie Wandfläche. Wärmebrücken an Heckklappe und Dichtungen bildet er nicht ab, weshalb sich zusätzlich ein Messprotokoll oder eine Herstellererklärung zur gesamten Mulde lohnt.

 

Abdeckung und Temperaturmessung als eigene Positionen

Die Abdeckung wird gern mit dem Temperaturverlust begründet, der bei kurzen Wegen angeblich klein bleibt. Der eigentliche Schaden liegt woanders. Fahrtwind führt Sauerstoff in das lockere, hohlraumreiche Mischgut, das Bindemittel oxidiert, und die Klebkraft geht verloren, ohne dass man es am Thermometer sieht. Fordern Sie deshalb eine vollständige, winddichte Abdeckung, die bis zum Beginn des Entladens geschlossen bleibt. Bei Abschiebern kann die Plane auch während des Abladens geschlossen bleiben. Für die Kontrolle genügt eine kalibrierte Temperaturmesseinrichtung, die das Ablesen an den vier Eckpunkten der Mulde vor dem Abladen erlaubt.

 

Abschieber, Thermokipper und Beschicker im Vergleich

Die Dämmung bewahrt die Temperatur. Ob das Mischgut auch gleichmäßig beim Fertiger ankommt, entscheidet das Entladeverfahren.

 

Thermokipper

Der Thermokipper ist vertraut und in vielen Fuhrparks vorhanden. Beim Aufrichten rollt das Grobkorn nach außen und rutscht als Erstes ab, die kalte Kruste folgt als Block. Das Ergebnis sind Grobkornnester, die meist in Intervallen auftreten und später zu Ausmagerung, Kornausbrüchen und Frostschäden führen können. Hinzu kommt der Platzbedarf nach oben, denn unter Brücken, Oberleitungen und Baumkronen lässt sich die Mulde nicht aufrichten. Bei SMA, OPA und polymermodifiziertem Bitumen bleiben außerdem Reste in der Mulde, die abgekratzt werden müssen. Für kurze Wege, unkritische Mischgutarten und freie Einbaubreite bleibt der Thermokipper eine vertretbare Wahl, sofern Dämmung und Abdeckung sauber gefordert sind.

 

Abschieber

Der Abschieber entlädt waagerecht. Eine Schiebewand übergibt das Mischgut scheibchenweise an den Fertiger, und dabei wird es laufend durchmischt, sowohl in der Temperatur als auch in der Kornverteilung und im Bindemittelanteil. Das Fliegl-Abschiebesystem kommt ohne Teleskopzylinder aus. Nach Herstellerangabe entleert sich die Mulde restlos, selbst bei Splittmastixasphalt, OPA, PMA und gummimodifiziertem Bitumen, und das ohne Trennmittel. Das Rundschreiben führt Fahrzeuge mit Abschiebefunktion als empfohlene Variante auf, weil das Durchmischen während des Entladens die Entmischung im Bunker mindert.

Ein Abschieber ist allerdings ein anderes Fahrzeugkonzept. Wer aus einem Kipperfuhrpark kommt, muss investieren, und eine Bauartvorgabe würde den Bieterkreis verengen. Fordern Sie deshalb Eigenschaften und nicht die Bauart. Das lässt jedes Fahrzeug zu, das die Werte erreicht, und ob Ihre Vergabestelle damit vergaberechtlich sicher aufgestellt ist, prüfen Sie am besten mit Ihrer Rechtsabteilung.

 

Beschicker

Ein Beschicker nimmt das Mischgut aus dem Lkw in einen Bunker auf und gibt es gleichmäßig an den Fertiger weiter, der dadurch ohne Stop and Go durchfahren kann. Das Rundschreiben nennt ihn als Variante, die verstärkt ausgeschrieben werden soll, verlangt aber ausdrücklich eine Prüfung der örtlichen Randbedingungen wie Gerätebreite, Einbaufläche und Abzweigungen. Mischen gleicht Temperaturunterschiede aus, es heizt aber nichts auf. Die Dämmung des Transportfahrzeugs bleibt deshalb Pflicht. Unter etwa 1.000 Tonnen Einbaumenge am Tag kommt eine erhöhte Bindemitteloxidation hinzu, und auf kleinen Maßnahmen schlägt der Beschicker oft mit 2 bis 6 Euro je Tonne und mehr zu Buche. Auf langen, zusammenhängenden Flächen, auf denen jeder Stillstand des Fertigers Geld kostet, kann sich das dennoch rechnen. Wo ein Beschicker aus Platz- oder Kostengründen ausscheidet, gilt der Abschieber als anerkannte Alternative.

 

Restentleerung und Entmischung als Prüfkriterien

Die Restentleerung wird in Ausschreibungen leicht übergangen, obwohl sie Geld und Qualität unmittelbar berührt. Was in der Mulde bleibt, ist bezahltes Mischgut. Es muss entsorgt werden, ein Bagger und zusätzliches Personal sind nötig, und während der Lkw wartet, reißt der Nachschub ab und der Fertiger kommt zum Stehen. Dazu kommt eine Qualitätsfrage. Das letzte Drittel einer Ladung und der Bodensatz neigen zur Überfettung, und wird er mit eingebaut, zeigen sich an der Oberfläche Bindemittelanreicherungen. Verlangen Sie daher einen Entleerungsnachweis für die Mischgutarten Ihres Vorhabens, vor allem für bindemittelreiche Sorten.

Bei der Entmischung lohnt die Trennung von Korn und Temperatur. Die Kornentmischung zeigt sich als Nester grober Körnung im Bild der Schicht, die thermische Entmischung als Zonen, die sich unterschiedlich gut verdichten lassen. Beides lässt sich nicht aus einem Fahrzeugdatenblatt lesen, sondern nur am eingebauten Material. Eine Thermografie hinter der Einbaubohle macht die Temperaturverteilung sichtbar und liefert einen Beleg statt einer Einschätzung. Ob Sie daraus ein Zuschlagskriterium, eine Vertragsbedingung oder nur eine Dokumentationspflicht machen, hängt von Auftragsvolumen und Verfahrensart ab.

 

Formulierungen für das Leistungsverzeichnis

Die folgenden Klauseln lassen sich übernehmen oder anpassen. Die Werte in eckigen Klammern legt die Vergabestelle projektbezogen fest, abhängig von Mischgutart, Transportzeit, Jahreszeit und Einbautemperatur.

  • Das Transportfahrzeug ist mit einem Wand- und Bodenaufbau aus Dämmmaterial auszuführen. Der Wärmedurchlasswiderstand muss mindestens 1,65 m²K/W bei 20 °C betragen, die Temperaturbeständigkeit des Dämmstoffs mindestens 200 °C.
  • Mulde, Boden, Front und Heck sind lückenlos zu dämmen. Der Bieter weist die Dämmung durch Herstellerunterlagen oder ein Messprotokoll nach. Bei [X] °C Außentemperatur und [X] Minuten Transportzeit darf der Mischgutkern höchstens [X] Kelvin abkühlen.
  • Das Mischgut ist vollständig und winddicht abzudecken. Die Abdeckung bleibt bis zum Beginn des Entladevorgangs geschlossen und ist in die Einheitspreise einzurechnen.
  • Das Fahrzeug verfügt über eine kalibrierte Temperaturmesseinrichtung, die das Ablesen der Mischguttemperatur an vier Punkten der Mulde vor dem Abladen ermöglicht.
  • Die Mulde muss sich ohne manuelles Nacharbeiten restlos entleeren, auch bei Splittmastixasphalt und polymermodifiziertem Bindemittel. Der Einsatz von Trennmitteln wie Diesel ist auszuschließen.
  • Das Mischgut ist dem Fertiger so zu übergeben, dass Korn- und Temperaturentmischung vermieden werden. Die Temperaturverteilung der eingebauten Schicht ist thermografisch zu dokumentieren, Abweichungen über [X] Kelvin sind dem Auftraggeber unverzüglich anzuzeigen.
  • Bei Einbau unter Brücken, Oberleitungen oder Baumkronen ist eine Entladung ohne Aufrichten der Mulde sicherzustellen.

Prüfen Sie außerdem, ob Ihre Bezüge zu Rundschreiben und Regelwerken noch dem Stand für das Ausschreibungsjahr entsprechen, denn mit der ZTV Asphalt-StB 26 ändert sich ab Januar 2027 der Rahmen.

 

Vorlagen und Ansprechpartner

Fliegl stellt Vergabestellen auf der Seite Info für Behörden und Ämter eine Ausschreibungsvorlage für Asphalt sowie eine Zusammenstellung der technischen Anforderungen an den Mischguttransport bereit. Beide Unterlagen stammen aus den Jahren 2020 und 2021 und gehören vor der Verwendung gegen die aktuellen Regelwerke geprüft. Wie Dämmung, Abdeckung und Abschiebesystem am Fahrzeug aussehen, zeigt die Produktseite des ASW Stone LKW Thermo. Bereiten Sie gerade ein konkretes Vorhaben vor, besprechen die Fliegl-Ansprechpartner Ihre Anforderungen gern vorab, telefonisch unter +49 8631 307-382 oder per E-Mail an baukom@fliegl.com. Mit klar formulierten Kriterien erhalten Sie Angebote, die sich wirklich vergleichen lassen.