Niedrigtemperaturasphalt als Schlüssel für nachhaltigen und sicheren Straßenbau

Die Anforderungen an den modernen Straßenbau wandeln sich stetig. Behörden und Ämter stehen zunehmend unter Druck, ökologische Vorgaben mit ökonomischer Vernunft und strengem Arbeitsschutz zu vereinen. Internationale Abkommen wie das Pariser Klimaabkommen oder der European Green Deal setzen klare Ziele für die Reduktion von Treibhausgasen. Gleichzeitig steigen die Energiekosten und die Regulierungen für Dämpfe und Aerosole am Arbeitsplatz werden schärfer. In diesem Spannungsfeld bietet Niedrigtemperaturasphalt eine pragmatische und technisch ausgereifte Lösung. Wir beleuchten die Vorteile und technischen Hintergründe dieser Bauweise und zeigen auf, warum sie für Ihre zukünftigen Ausschreibungen von zentraler Bedeutung sein sollte.

 

Eine notwendige Anpassung der Bauweise

Der Straßenbau trägt als energieintensive Branche eine besondere Verantwortung. Da über 90 Prozent der europäischen Straßen mit Asphalt befestigt sind, liegt hier ein gewaltiges Potenzial zur Einsparung von Emissionen. Die Herstellung von konventionellem Heißasphalt erfordert hohe Temperaturen zwischen 150 und 180 Grad Celsius. Diese hohen Temperaturen sind notwendig, um das Bitumen fließfähig zu machen und eine optimale Umhüllung der Gesteinskörnungen zu gewährleisten. Doch genau hier liegt der Hebel für Verbesserungen. Durch den Einsatz moderner Technologien lässt sich diese Temperatur signifikant senken, ohne dass die Qualität des Endprodukts leidet.

Niedrigtemperaturasphalt wird bei Temperaturen produziert und eingebaut, die etwa 20 bis 40 Grad Celsius unter denen von herkömmlichem Heißasphalt liegen. Diese Temperaturabsenkung hat weitreichende positive Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette. Sie ermöglicht nicht nur eine deutliche Reduktion des Energiebedarfs, sondern verbessert auch die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle massiv.

 

Arbeitsschutz und Gesundheit im Fokus

Ein zentrales Argument für die Umstellung auf temperaturabsenkte Mischgüter ist der Schutz der Mitarbeiter. Die Gesundheit der Beschäftigten im Straßenbau hat oberste Priorität. Studien und Messungen haben gezeigt, dass die Emissionen von Dämpfen und Aerosolen aus Bitumen exponentiell mit der Temperatur steigen. Eine Absenkung der Verarbeitungstemperatur führt daher zu einer überproportionalen Verringerung der Belastung.

Untersuchungen belegen, dass bereits eine Temperaturreduktion um etwa 25 Grad Celsius die Menge der freigesetzten Dämpfe halbieren kann. In Deutschland wurden bei Messungen Reduktionen der Expositionswerte um bis zu 90 Prozent festgestellt, wenn statt Heißasphalt eine temperaturabsenkte Variante eingebaut wurde. Dies ist besonders relevant vor dem Hintergrund strengerer Arbeitsplatzgrenzwerte. In Deutschland gilt beispielsweise ein maximaler Arbeitsplatzgrenzwert für Dämpfe und Aerosole aus Bitumen von 1,5 mg/m³. Die Einhaltung solcher Werte wird durch den Einsatz von Niedrigtemperaturasphalt erheblich erleichtert. Sie schaffen damit ein sichereres Arbeitsumfeld und minimieren gesundheitliche Risiken für das Baustellenpersonal.

 

Ökologische Vorteile und Energieeinsparung

Neben dem Gesundheitsschutz bietet das Verfahren handfeste ökologische Vorteile. Die Absenkung der Produktionstemperatur verringert den Brennstoffbedarf an der Mischanlage. Weniger Energieverbrauch bedeutet direkt weniger CO2-Ausstoß. Je nach verwendetem Brennstoff und Technologie lassen sich die Treibhausgasemissionen bei der Herstellung um 20 bis 60 Prozent senken.

Auch andere Emissionen wie Stickoxide oder Schwefeldioxid werden reduziert. Dies unterstützt Sie direkt bei der Erreichung Ihrer kommunalen oder nationalen Klimaziele. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Schonung des Bindemittels. Durch die geringere thermische Belastung während der Produktion altert das Bitumen weniger stark. Dies kann sich positiv auf die Langlebigkeit der Straße auswirken, da das Material flexibler bleibt und weniger anfällig für Rissbildung ist.

 

Technische Gleichwertigkeit und Leistungsfähigkeit

Ein häufiges Vorurteil gegenüber Niedrigtemperaturasphalt betrifft die mechanische Leistungsfähigkeit. Es herrscht teilweise die Sorge, dass die niedrigeren Temperaturen zu einer schlechteren Verdichtung oder einer geringeren Haltbarkeit führen könnten. Diese Bedenken sind unbegründet. Langjährige Erfahrungen und zahlreiche Studien aus verschiedenen europäischen Ländern und den USA belegen das Gegenteil.

Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Deutschland sowie umfangreiche Feldversuche in Norwegen und den USA zeigen, dass Niedrigtemperaturasphalt eine mindestens gleichwertige Performance wie konventioneller Heißasphalt aufweist. In vielen Fällen wurden sogar bessere Eigenschaften hinsichtlich der Verformungsbeständigkeit und des Rissverhaltens festgestellt. Die Technologien zur Temperaturabsenkung, sei es durch organische Zusätze, chemische Additive oder Schaumbitumen, sind mittlerweile so weit fortgeschritten, dass sie eine optimale Verarbeitbarkeit garantieren.

Die Verdichtungswilligkeit des Materials ist oft sogar besser als bei herkömmlichem Asphalt. Dies erlaubt längere Transportwege, da das Mischgut langsamer auskühlt. Auch die Einbausaison kann verlängert werden, da das Material auch bei kühleren Außentemperaturen noch gut verarbeitbar ist. Zudem ist die Verkehrsfreigabe früher möglich, da die Straße schneller auf Umgebungstemperatur abkühlt.

 

Technische Details der Herstellung

Die Produktion von Niedrigtemperaturasphalt erfolgt durch verschiedene Verfahren, die die Viskosität des Bitumens temporär herabsetzen.

  • Organische Zusätze wie Wachse verflüssigen das Bitumen bei Temperaturen oberhalb ihres Schmelzpunktes.
  • Chemische Additive wirken als oberflächenaktive Substanzen und verbessern die Benetzung des Gesteins.
  • Schaumbitumen entsteht durch die Injektion von Wasser in das heiße Bitumen, wodurch das Volumen stark zunimmt und die Viskosität sinkt.
  • Zeolithe sind mineralische Zusätze, die Kristallwasser abgeben und so einen Schaumeffekt erzeugen.

Alle diese Verfahren ermöglichen eine problemlose Verarbeitung bei deutlich reduzierten Temperaturen.

 

Erfolgsbeispiele und Marktentwicklung

Der Blick ins europäische Ausland zeigt, wie erfolgreich die Technologie bereits eingesetzt wird. Norwegen gilt als Vorreiter bei der Implementierung. Durch gezielte Anreize in Ausschreibungen konnte der Anteil von Niedrigtemperaturasphalt dort massiv gesteigert werden. Die norwegische Straßenbauverwaltung führte ein Bonussystem ein, das Unternehmen für die Reduktion von CO2-Emissionen belohnt. Dies führte dazu, dass der Marktanteil von Niedrigtemperaturasphalt innerhalb weniger Jahre auf über 25 Prozent anstieg.

Auch in Frankreich wächst der Markt stetig. Eine freiwillige Vereinbarung zwischen Behörden und Industrie hat dazu geführt, dass der Anteil kontinuierlich steigt. In den USA ist die Technologie ebenfalls weit verbreitet und macht einen signifikanten Teil der Gesamtproduktion aus. Diese Beispiele verdeutlichen, dass die flächendeckende Einführung machbar und vorteilhaft ist.

 

Hürden überwinden und Zukunft gestalten

Trotz der offensichtlichen Vorteile zögern manche Auftraggeber noch. Oft liegt dies an fehlender Erfahrung oder der Gewohnheit, auf bewährte Standardbauweisen zu setzen. Auch die Sorge vor höheren Kosten spielt eine Rolle. Dabei sind die Gesamtkosten bei Betrachtung des gesamten Lebenszyklus oft vergleichbar oder sogar niedriger, wenn man die Energieeinsparungen und die Langlebigkeit berücksichtigt.

Es liegt nun an den ausschreibenden Stellen, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Durch die Anpassung von Ausschreibungskriterien können Sie den Einsatz nachhaltiger Technologien aktiv fordern. Die Berücksichtigung von Umweltkriterien neben dem reinen Preis ist ein wirksames Mittel, um den Markt in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken. Sie haben es in der Hand, durch Ihre Vorgaben nicht nur die Umwelt zu schonen, sondern auch die Arbeitssicherheit auf Ihren Baustellen aktiv zu verbessern.

 

Wir beraten Sie persönlich zu Ihrem Projekt

Die Umstellung auf neue Bauweisen wirft naturgemäß Fragen auf. Wir bei Fliegl Baukom verstehen die technischen und regulatorischen Herausforderungen, vor denen Sie stehen. Unsere Experten verfügen über tiefgehendes Fachwissen im Bereich der modernen Asphalttechnologie und der entsprechenden Maschinentechnik. Wir lassen Sie mit diesen Themen nicht allein.

Nutzen Sie unsere Erfahrung für Ihre Planung. Wir unterstützen Sie gerne dabei, die passenden Lösungen für Ihre spezifischen Anforderungen zu finden. Ob es um die Auswahl der richtigen Dosiertechnik für Additive geht oder um die Optimierung Ihrer Logistik für den Einbau von Niedrigtemperaturasphalt – wir stehen Ihnen als verlässlicher Partner zur Seite.

 

Quellen: European Asphalt Pavement Association (EAPA). Recommendations for Authorities to optimise paving sustainability, health & safety, and quality through the use of Warm Mix Asphalt. EAPA Technical Briefing (2024)