Fliegl Baukom bei Großstadtprojekten: Berlin setzt auf Abschiebetechnik und Thermoisolierung

Die Anforderungen an den modernen Straßenbau befinden sich in einem fundamentalen Wandel. Was lange Zeit als „Nice-to-have“ galt, wird zunehmend zum verbindlichen Standard in Ausschreibungen. Ein Praxis-Report aus der Hauptstadt macht dies deutlicher denn je: Berlin machte es amtlich und forderte explizit Isolierung sowie Abschiebetechnik für die Asphaltanlieferung.

Diese Entwicklung war kein lokales Phänomen, sondern ein wegweisendes Signal für die gesamte Baubranche in Deutschland. Für Bauunternehmen und Spediteure bedeutet dies, dass sie ihre Flottenstrategie überdenken müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch warum drängen Behörden so massiv auf diese Technologien, und welcher wirtschaftliche Nutzen ergibt sich daraus für die Anwender?

 

Der neue Standard in der Asphaltlogistik

Unter Fachleuten ist der Mehrwert, den die Abschiebetechnik für die Einbauqualität und die Lebensdauer von Fahrbahndecken generiert, längst unbestritten. Die Logik der Behörden ist daher konsequent: Um langlebige Straßen zu garantieren, definieren immer mehr Auftraggeber thermoisolierte Mulden mit Abschiebefunktion als verbindlichen Standard. Diese Anforderungen finden sich zunehmend direkt in den Leistungsverzeichnissen (LV) wieder.

Der Hintergrund dieser Verschärfung liegt in der Problematik der Entmischung und der Temperaturverluste. Herkömmliche Kippmulden neigen dazu, das Mischgut während des Abkippvorgangs zu entmischen, was zu sogenannten „Nestern“ im Asphalt führt – den Schlaglöchern von morgen. Die Abschiebetechnik hingegen sorgt für einen homogenen Materialfluss und verhindert diese qualitätsmindernden Effekte effektiv. Wer heute noch mit veralteter Technik anliefert, riskiert nicht nur Abzüge bei der Qualitätsprüfung, sondern wird bei vielen öffentlichen Ausschreibungen gar nicht mehr berücksichtigt.

 

Beschicker oder Abschieber? Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

In der Diskussion um die Einbauqualität fällt oft das Stichwort „Beschicker“. Zweifellos wird der Einsatz von Beschickerfahrzeugen verstärkt ausgeschrieben, da sie eine kontinuierliche Materialzufuhr gewährleisten. Doch die Praxis zeigt, dass der Beschicker nicht immer die wirtschaftlichste oder logistisch sinnvollste Lösung ist. Hier müssen die örtlichen Randbedingungen genau geprüft werden. Faktoren wie Gerätebreiten, die verfügbare Einbaufläche und Platzmangel – besonders bei Abzweigungen oder innerstädtischen Engstellen – limitieren den Einsatz dieser Großgeräte oft erheblich.

Genau an diesem Punkt positioniert sich die Abschiebetechnik als die intelligente Alternative. Wo die Anwendung eines Beschickers aus Platzgründen nicht möglich oder kostentechnisch unverhältnismäßig ist, hat sich der Einsatz von Fahrzeugen mit Abschiebetechnik als anerkannte Bauweise etabliert. Sie fungieren als qualitätsverbessernder Baustein in der Prozesskette, ohne die enormen Kosten eines Beschickers zu verursachen.

Besonders bei sogenannten „Kleinbaustellen“ mit Einbaumengen unter 1000 Tonnen pro Tag wird die Kostenfalle deutlich. Diese kleineren Maßnahmen machen rund 90 Prozent aller Baustellen aus. Der Einsatz eines Beschickers kann hier die Kosten pro Tonne Mischgut um 2 bis 6 Euro oder mehr in die Höhe treiben. Die Abschiebetechnik bietet hier eine hervorragende Balance aus geforderter Qualitätssicherung und notwendiger Kosteneffizienz.

 

Der unterschätzte Feind: Oxidation durch Fahrtwind

Ein Aspekt, der in der Diskussion um Thermomulden oft zu kurz kommt, ist der Schutz vor Oxidation. Die gängige Meinung lautet oft, dass bei kurzen Transportstrecken oder hohen Außentemperaturen eine Abdeckung nicht zwingend notwendig sei, da der Temperaturverlust gering bleibe. Dies ist ein fataler Irrtum. Das Mischgut muss immer vollständig und winddicht abgedeckt werden, und zwar nicht nur aus thermischen Gründen.

Die weitaus größere Gefahr lauert in der chemischen Reaktion des Bindemittels. Wenn dem lockeren, hohlraumreichen Mischgut während des Transports durch den Fahrtwind Sauerstoff zugeführt wird, kommt es zur Bindemitteloxidation. Die Folge ist eine dramatische Schädigung des Bitumens: Die Klebekraft geht verloren und ein dauerhafter Kornverbund kann beim Einbau nicht mehr gewährleistet werden. Eine hochwertige Thermomulde mit korrekter Abdeckeinrichtung – beispielsweise Planen auf Silikon- oder Polyurethan-Basis oder klappbare Systeme – minimiert nicht nur Temperaturverluste bei Wartezeiten, sondern schützt das Material essenziell vor diesem Alterungsprozess.

 

Technische Anforderungen an die Thermoisolation

Um den neuen Qualitätsstandards gerecht zu werden, reicht eine einfache Isolierung nicht mehr aus. Die Anforderungen an die Thermoisolation von Transportmulden sind physikalisch präzise definiert. Um eine ausreichende Isolierung sicherzustellen, muss der Wand- und Bodenaufbau einer Mulde einen Wärmedurchlasswiderstand (R-Wert) von mehr als 1,65 m²K/W bei 20°C aufweisen. Zudem muss das verwendete Dämmmaterial einer Hitzebelastung von bis zu 200°C dauerhaft standhalten.

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Hochwertige Lösungen, wie sie beispielsweise im Fliegl „Asphaltprofi Thermo“ zum Einsatz kommen, übertreffen diese Mindestanforderungen deutlich. Durch den Einsatz von „High-Insulation“-Materialien in Seitenwänden, Boden, Stirn- und Rückwand wird eine Performance erreicht, die weit über den gesetzlichen Mindeststandards liegt.

Technische Highlights der Premium-Isolierung:

  • Wärmedurchlasswiderstand (R-Wert): Während die Richtlinie 1,65 fordert, erreichen Spitzenmodelle einen R-Wert von 2,5. Je größer dieser Wert, desto effizienter ist die Dämmung.
  • Wärmeleitfähigkeit (K-Wert): Dies entspricht einem K-Wert von 0,4. Hier gilt: Je kleiner der Wert, desto besser die Dämmfähigkeit.
  • Materialstärke: Die Dämmung ist in den relevanten Bereichen (Seiten, Boden, Stirn, Rückwand) mindestens 70 mm stark ausgeführt.
  • Lambdawert: Hoch wärmeisolierendes Material mit einem Lambdawert unter 0,028.
  • Beständigkeit: Das Material ist absolut feuchtigkeitsresistent, stoß- und rüttelfest sowie temperaturstabil im Dauereinsatz von über 200°C.

Für Bestandsfahrzeuge gibt es Übergangslösungen, bei denen eine nachträgliche Thermoisolation der Seitenflächen inklusive Stirn- und Rückwand als ausreichend betrachtet wird. Bei Neufahrzeugen ist jedoch seit 2016 auch die Bodenisolierung zwingend vorgeschrieben, um Kältebrücken effektiv zu vermeiden.

 

Digitalisierung und Dokumentation: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die beste Isolierung nützt wenig, wenn der Nachweis der Qualität fehlt. Moderne Ausschreibungen fordern zunehmend eine lückenlose Dokumentation der Lieferkette. Die Messung der Asphaltmischguttemperaturen erfolgt heute über kalibrierte Temperaturmesseinrichtungen. Diese müssen das direkte Ablesen der Temperatur an vier spezifischen Eckpunkten der Transportmulde ermöglichen.

Die Zukunft gehört hierbei digitalen Systemen wie dem FCT (Fliegl Control Terminal) mit mobiler Druckeinheit. Die Bedienung erfolgt komfortabel über Smartphone oder Tablet. Entscheidend ist die Konnektivität: Über Bluetooth-Schnittstellen und App-basierte Lösungen können Daten direkt in Baustellenlogistik-Software wie HiQ, BPO-Asphalt oder Praxis-EDV übertragen werden. Dies ermöglicht eine transparente Planung, Steuerung und Dokumentation, die gegenüber dem Auftraggeber als unumstößlicher Qualitätsnachweis dient.

 

Fazit: Investition in die Zukunft

Die Vorgaben aus Berlin sind mehr als nur bürokratische Hürden; sie sind ein Vorbote für die Zukunft des deutschen Straßenbaus. Die Kombination aus thermoisolierter Mulde und Abschiebetechnik ist die wirtschaftlichste Antwort auf die steigenden Qualitätsanforderungen. Sie vermeidet die hohen Kosten von Beschickern auf Kleinbaustellen, verhindert Materialschäden durch Oxidation und Auskühlung und sichert durch digitale Dokumentation die Abrechnung. Wer jetzt in entsprechende Technik investiert, sichert sich nicht nur Aufträge, sondern liefert auch Straßen, die Generationen überdauern.

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