Der Fliegl ASW Stone LKW Onroad ist ein LKW-Aufbau mit hydraulischem Abschiebesystem, der für den Straßen-, Asphalt- und Erdbau entwickelt wurde. Die Frage, ob Abschiebetechnik gegenüber konventionellen Kippern messbare Vorteile bringt, lässt sich anhand unabhängiger Untersuchungen und umfangreicher Praxisdaten klar beantworten – und zwar in mehreren Dimensionen gleichzeitig.
Warum die Abschiebetechnik im Asphalteinbau entscheidend ist
Beim Abkippen von Asphaltmischgut aus einem konventionellen Kipper entsteht ein Problem, das in der Praxis häufig unterschätzt wird. Die Oberflächenschicht der Ladung kühlt während des Transports stärker ab als das Mischgut im Inneren der Mulde. Wenn die gesamte Ladung auf einmal kippt, treffen also Schichten mit deutlich unterschiedlicher Temperatur auf den Straßenfertiger. Untersuchungen der TU Wien (Blab et al., 2015) zeigen, dass diese Temperaturdifferenzen beim Einsatz konventioneller Kipper bis zu 20 °C und mehr betragen können. Solche Schwankungen gelten als eine der häufigsten Ursachen für frühzeitige Schäden in der Asphaltdecke, weil die Verdichtbarkeit des Mischguts direkt von der Einbautemperatur abhängt.
Die Abschiebetechnik des ASW Stone LKW Onroad arbeitet nach einem grundlegend anderen Entladeprinzip. Ein hydraulischer Schiegeschlitten fördert das Mischgut scheibchenweise aus der Mulde, sodass während des gesamten Abladevorgangs eine kontinuierliche Durchmischung stattfindet. Kühleres Material von der Oberfläche vermischt sich dabei fortlaufend mit dem wärmeren Kern der Ladung. Die TU Wien-Studie stellte bei Transportfahrzeugen mit Abschiebetechnik Temperaturdifferenzen von rund 10 °C fest – also etwa halb so viel wie bei Kippern. Die Asphaltoberfläche war im Messdurchschnitt rund 10 °C höher und die Temperaturverteilung deutlich homogener.
Technische Ausführung des ASW Stone LKW Onroad
Das Abschiebesystem ist konsequent auf geringstes Eigengewicht bei höchster Stabilität ausgelegt. Die Muldenkonstruktion maximiert die Nutzlast, ohne die Struktursteifigkeit zu kompromittieren. Der hydraulische Öldruck ist auf maximal 180 bar ausgelegt, was zuverlässiges Entladen auch bei schwierigen Materialien sicherstellt. OPA, PMA, Splittmastix, gummimodifizierter Asphalt, Lehm, feuchtes Bodenmaterial und Kleieboden werden rückstandslos entleert, ohne dass manuelle Nacharbeit oder zusätzlicher Maschineneinsatz nötig ist.
Die folgende Übersicht zeigt eine Auswahl verfügbarer Muldentypen mit ihren Abmessungen und technischen Kennwerten:
Typ | L x B x H (mm) | Volumen ca. m³ (gehäuft / gestrichen) | Ölbedarf Abschiebevorgang |
4715 | 4730 x 2370 x 1150 | 13,5 / 12,2 | 16,5 l (48,0 l) |
5229 | 5230 x 2370 x 1290 | 17,0 / 15,2 | 18,5 l (54,0 l) |
5760 | 5730 x 2370 x 1600 | 23,0 / 21,0 | 20,0 l (58,0 l) |
6229 | 6230 x 2370 x 1290 | 20,0 / 18,3 | 22,0 l (64,5 l) |
7240 | 7230 x 2370 x 1400 | 26,0 / 23,5 | 30,5 l (91,0 l) |
8229 | 8230 x 2370 x 1299 | 27,0 / 25,2 | 36,0 l (105,0 l) |
Die technische Nutzlast beträgt 20, 25 oder 30 Tonnen, je nach Muldentyp und Ausstattung. Weitere Muldengrößen und Nutzlastvarianten sind auf Anfrage erhältlich. Die Pro Save-Steuerung mit Funk gehört serienmäßig zur Ausstattung. Eine zusätzliche Bedienungseinheit neben dem Fahrersitz ist optional verfügbar.
Arbeitssicherheit im Straßenbau neu bewertet
Ein Kipperaufbau braucht Höhe, um zu entladen. Das ist im alltäglichen Straßenbaubetrieb häufig ein unterschätztes Sicherheitsrisiko. Freileitungen, Alleestraßen mit tief hängendem Astwerk, Brückenunterkanten, Schilderbrücken und Verkehrsleitsysteme schaffen regelmäßig Situationen, in denen das Hochkippen der Brücke nicht möglich oder gefährlich ist. Beim ASW Stone LKW Onroad entfällt dieses Problem. Das Abschiebesystem arbeitet ohne Hubvorgang der Mulde, was den Einsatz unter Hindernissen ohne Einschränkung erlaubt. Die Gefahrenzone beim Entladevorgang ist minimal, weil keine kippende Masse über dem Fahrzeug steht.
Das ASFINAG-Projekt im Kaisermühlentunnel in Wien belegt den Praxisnutzen konkret. Rund 150.000 m² Fahrbahnfläche wurden mit etwa 50.000 Tonnen Asphaltmischgut über Abschiebetechnik eingebaut. Im Tunnelbetrieb wäre ein konventioneller Kipper aufgrund der begrenzten Raumhöhe keine praktikable Option gewesen.
Niedrige Beladehöhe und kontinuierliche Einbauqualität
Die besonders niedrige Beladehöhe des ASW Stone LKW Onroad ist für Einsätze nach Fräsarbeiten ein handfester Vorteil. Konventionelle Kipper haben nach dem Fräsen häufig Schwierigkeiten, nahe genug an den Fertiger heranzufahren, ohne die Fräskante oder die gefräste Stufe zu beschädigen. Die niedrige Muldenkonstruktion des ASW Stone LKW Onroad macht das überflüssig. Der Aufbau lässt sich direkt hinter der Fräse beladen, ohne den Arbeitsablauf zu unterbrechen.
Für den kommunalen Straßenbau, wo enge Straßenquerschnitte und Bestandsbebauung den Spielraum einschränken, ist das ein konkreter operativer Vorteil. Mit optionalen Zentrierblechen lässt sich eine Streubreite von rund 2 Metern beim Befüllen des Fertigers einstellen. Das präzisiert die Übergabe des Mischguts in der Einbauspur und reduziert die mechanische Entmischung zusätzlich.
Keine Materialbrücken, keine Rückstände
Die Abschiebetechnik bringt einen Vorteil mit, der sich erst im Verlauf des Fahrzeuglebens voll bemerkbar macht. Konventionelle Kipperbrücken neigen bei klebrigen Materialien zur Rückstandsbildung. Diese Rückstände verringern mit der Zeit das effektive Ladevolumen und damit die tatsächliche Nutzlast. Der Schiegeschlitten des ASW Stone LKW Onroad entleert die Mulde vollständig und verhindert die Bildung von Materialbrücken. Manuelles Reinigen oder Abkratzen der Brücke ist nicht erforderlich. Das bedeutet weniger Standzeit auf der Baustelle und einen gleichbleibend hohen Durchsatz über die gesamte Fahrzeugnutzungsdauer.
Einsatzbereiche weltweit unter Extrembedingungen
Die Typenpalette des ASW Stone LKW Onroad ist auf unterschiedlichste Bauprojekte ausgelegt, von städtischen Straßenbaumaßnahmen bis hin zu schweren Erdbauprojekten unter extremen klimatischen Bedingungen. Referenzen umfassen Einsätze in Sibirien bei -27 °C, Tunnelbaustellen in Wien und Berlin, Flughafensanierungen in Hamburg und Köln sowie Deponie- und Erdbauarbeiten in der Schweiz. Der Aufbau ist mit nahezu allen Fahrzeugherstellern kompatibel, was die Integration in bestehende LKW-Flotten ohne Zwang zu bestimmten Zugfahrzeugen ermöglicht.
Ein wirtschaftlicher Aspekt der Abschiebetechnik, der auf der Baustelle schnell spürbar wird, betrifft den Planieraufwand. Das dosierte Ausziehen des Materials im Wege- und Straßenbau reduziert die notwendige Nacharbeit. Planierarbeiten mit Raupen oder Grädern fallen seltener und in geringerem Umfang an, wenn das Material beim Abladen bereits gezielt verteilt wird. In Projekten mit hohem Tagesvolumen summiert sich diese Ersparnis auf relevante Maschinen- und Personalstunden.
Weiterführende Informationen und Kontaktaufnahme
Der Fliegl ASW Stone LKW Onroad bildet die Basisvariante der LKW-Aufbaureihe für den Straßen- und Erdbau. Für Anwendungen mit erhöhten Anforderungen an die Wärmedämmung des Mischguts steht der ASW Stone LKW Thermo zur Verfügung, der dasselbe Abschiebesystem mit thermoisolierter Muldenkonstruktion kombiniert. Wenn Sie den geeigneten Muldentyp für Ihr Bauprojekt bestimmen oder konkrete Nutzlastkombinationen und Abmessungen besprechen möchten, nimmt der Fliegl Baukom Vertrieb Ihre Anfrage gerne entgegen.

