Am 1. Januar 2027 endet die Übergangsfrist für Walzasphalt, und der Arbeitsplatzgrenzwert für Bitumendämpfe von 1,5 mg/m³ gilt dann auch beim Heißeinbau auf der Straße. Fachlich korrekt heißt der Stoff Dämpfe und Aerosole aus Bitumen, auf der Baustelle spricht man von Bitumendämpfen. Wo sich der Grenzwert zwischen Mulde und Walze mit welcher Maßnahme erreichen lässt, beantworten die Messwerte der BG BAU deutlicher als jede Faustregel.
Bitumendämpfe und Grenzwert 2027 im Überblick
Der Ausschuss für Gefahrstoffe hat den Wert 2019 beschlossen, die TRGS 900 führt ihn seit 2020. Für Walzasphalt galt eine Übergangsfrist von sieben Jahren, die an Zwischenberichte und flankierende Maßnahmen geknüpft war. Mit dem 31. Dezember 2026 endet sie.
Die Eckdaten im Überblick.
- Arbeitsplatzgrenzwert 1,5 mg/m³ als Schichtmittelwert über acht Stunden
- Kurzzeitwert mit Überschreitungsfaktor 2, also bis 3 mg/m³, höchstens viermal je Schicht für jeweils 15 Minuten
- Messverfahren IFA 6305/2 mit Bitumenkondensat als Kalibrierstandard
- Ende der Übergangsfrist für Walzasphalt am 31. Dezember 2026
In Überschriften liest man häufig, temperaturabgesenkter Asphalt werde 2027 zur Pflicht. Das trifft den Kern nicht ganz. Verpflichtend ist der Grenzwert, nicht ein bestimmtes Mischgut. Seit der Änderung des Regelwerks 2026 gilt temperaturabgesenkter Asphalt nach Angaben der BG BAU als Regelbauweise im Straßenbau, und wer in der Gefährdungsbeurteilung darauf verzichtet, muss das begründen. Dieser Unterschied zählt, sobald es um die Dokumentation geht.
Die Branchenlösung der BG BAU vom August 2026 erlaubt es Unternehmen, sich in der Gefährdungsbeurteilung auf das dort beschriebene Schutzmaßnahmenkonzept zu beziehen. Lassen sie eine genannte Maßnahme im Einzelfall weg, müssen sie das begründen.
Bitumendämpfe entlang der Einbaukette
Die Branchenlösung nennt vier Arbeitsplätze mit Exposition, nämlich Beschicker, Fertiger, Bohlengang und Walze. Sie sind sehr unterschiedlich belastet. In den Expositionsdaten des Gesprächskreises Bitumen, die die BG BAU in ihrer Broschüre zu temperaturabgesenkten Asphalten veröffentlicht, lag der 95-Prozent-Wert beim Bohlenführer bei 12,4 mg/m³, beim Fertigerfahrer bei 8,9 mg/m³, beim LKW-Transport von Walzasphalt bei 4,3 mg/m³ und beim Walzenfahrer bei 2,5 mg/m³.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Ein 95-Prozent-Wert beschreibt die belasteten Schichten, nicht den Durchschnitt, und die Zahlen stammen aus älteren Messreihen mit Mineralöl als Kalibrierstandard. Für den Vergleich mit dem Grenzwert rechnet die BG BAU sie mit dem Faktor 1,5 auf den Bitumenkondensat-Standard um. Der Bohlenführer läge damit bei rund 18 mg/m³, grob beim Zwölffachen des Grenzwerts. Die BG BAU beschrieb die Aufgabe 2020 selbst als Reduktion der Expositionen auf ein Zehntel.
Die Walze ist der unkritischste Arbeitsplatz. Bei der überwiegenden Zahl der Messungen am Bedienstand sieht die BG BAU keinen Anlass für besondere Maßnahmen. Wo es Spitzen gibt, helfen geschlossene Fenster, und damit sie auch im Sommer zubleiben, eine Klimaanlage in der Kabine. Der Handlungsdruck liegt an Fertiger und Bohle.
Temperaturabsenkung und Absaugung im Messvergleich
Temperaturabgesenkter Asphalt
Herkömmlicher Walzasphalt wird mit 140 bis 180 Grad eingebaut, temperaturabgesenkter Asphalt liegt 20 bis 40 Grad darunter. Die BG BAU hat die Messwerte beider Bauweisen gegenübergestellt. Beim herkömmlichen Einbau lagen etwa drei Viertel der tätigkeitsbezogenen Messwerte über dem Grenzwert. Beim temperaturabgesenkten Einbau liegt der Median exakt auf Höhe des Grenzwerts, in der Hälfte der Fälle war er also eingehalten. Die Exposition sank in Deutschland nach BG-BAU-Angaben um etwa 50 Prozent.
Das reicht allein nicht, und die Branchenlösung sagt das offen. Temperaturabgesenkter Asphalt sichert den Grenzwert nicht dauerhaft, deshalb folgen nach dem STOP-Prinzip die technischen Maßnahmen.
Absaugung am Fertiger
Absaugungen sitzen am Kratzerband oder an der Schnecke der Bohle und leiten die Dämpfe über Abluftkanäle vom Arbeitsplatz weg. Nach französischen Untersuchungen des INRS, auf die sich die BG BAU stützt, senkt eine wirksame Absaugung die Exposition um etwa 50 Prozent. Das 80-Perzentil des temperaturabgesenkten Einbaus liegt bei 3 mg/m³, halbiert sind das 1,5 mg/m³. Beide Maßnahmen zusammen führen nach dieser BG-BAU-Abschätzung in etwa 80 Prozent der Fälle unter den Grenzwert. Rechnerisch bleibt also jeder fünfte Fall darüber, und wie viel die Absaugung auf der Bohle am Ende bringt, hängt auch vom Wind ab.
Die Fertigerhersteller bieten qualifizierte Absaugungen in der Erstausrüstung an. Die BG BAU unterscheidet zwei Generationen, wobei die zweite die Materialförderwege besser einhaust. Großfertiger ab Baujahr 2016 lassen sich generell nachrüsten, bei älteren Maschinen und Kleinfertigern klärt der Hersteller die Nachrüstbarkeit. Die BG BAU fördert die Nachrüstung ihrer Mitglieder bis Ende 2026 mit 50 Prozent der Anschaffungskosten, höchstens 3.000 Euro je Maßnahme.
Trennmittel und Atemschutz
Unterschätzt wird das Trennmittel. Mineralölhaltige Produkte erhöhen die Messwerte nach Angaben der BG BAU deutlich, sparsam dosiert oder ganz weggelassen verschwindet dieser Anteil. Kürzere Einsatzzeiten helfen wegen des Kurzzeitwerts in der Regel nicht aus, und Atemschutz darf laut Branchenlösung keine Dauerlösung sein. Die BG BAU verwies schon 2020 auf das eingeschränkte Sichtfeld und die Hitze unter der Schutzausrüstung.
Mulde und Fliegl Abschiebesystem
Wer die Temperatur absenkt, bekommt weniger Dämpfe und bezahlt mit einem kleineren Verdichtungsfenster. Fliegl Baukom hat diesen Zielkonflikt in einer eigenen Analyse zum Herbsteinbau beschrieben. Als Richtwerte liegt die Einbautemperatur von TA-Asphalt bei 100 bis 130 Grad, die praktische Verdichtungsgrenze häufig bei 70 bis 90 Grad, und eine dünne Deckschicht kann unter ungünstigen Bedingungen zwei bis drei Grad pro Minute verlieren. Je nach Mischgut und Schichtstärke weichen diese Werte ab, die Reserve bleibt aber knapp.
Hier entscheidet der Transport. Der ASW Stone LKW Thermo ist an Boden, Seitenwänden, Front und Heck lückenlos mit Fliegl Isotherm gedämmt, das im Dauereinsatz bis über 200 Grad temperaturstabil bleibt. Das Fliegl Abschiebesystem übergibt das Mischgut gleichmäßig an den Fertiger und entleert die Mulde restlos, auch bei klebrigem Material wie Splittmastix oder gummimodifiziertem Bitumen, ohne dass jemand abkratzen muss.
Einschränkend gilt, dass der Entladevorgang in der Branchenlösung der BG BAU nicht als eigener Arbeitsplatz erscheint und dort keinen Messwert hat. Der Beitrag der Mulde liegt in der Temperaturführung, die Sie aus Fahrzeit, Ladungsgröße und Fertigertakt nachrechnen können, und nicht in einem zugesagten Dampfwert.
Was Bauunternehmen und Vergabestellen jetzt tun sollten
Die Reihenfolge der Branchenlösung ist sinnvoll, weil sie dem STOP-Prinzip folgt. Zuerst gehört die Gefährdungsbeurteilung für den Walzasphalteinbau an das Schutzmaßnahmenkonzept der BG BAU, samt Begründung, wo temperaturabgesenkter Asphalt eingesetzt wird und wo nicht. Danach folgt die Fertigerflotte. Maschinen ohne Absaugung sind der kritischste Posten, weil Bestellung, Nachrüstung und Förderantrag Zeit brauchen und die Förderung Ende 2026 ausläuft. Front- und Seitenscheiben an Fertiger und Beschicker gehören ab sofort geschlossen, was nichts kostet. Mineralölhaltige Trennmittel sollten verschwinden. Betriebsanweisung und mindestens jährliche Unterweisung sind vorgeschrieben, die arbeitsmedizinische Vorsorge empfiehlt die BG BAU ausdrücklich und ermöglicht sie auf Wunsch der Beschäftigten.
Für Vergabestellen folgt daraus eine klare Konsequenz. Wer für 2027 temperaturabgesenkten Asphalt nach ZTV Asphalt-StB und TL Asphalt-StB ausschreibt, schafft eine der beiden Voraussetzungen, unter denen Auftragnehmer den Grenzwert erreichen können, denn Substitution steht im STOP-Prinzip vor der Technik. Das Leistungsverzeichnis sollte außerdem Transportzeiten und Temperaturführung zwischen Werk und Fertiger nicht offenlassen, weil sich das Verdichtungsfenster dort entscheidet.
Ihr nächster Schritt
Der Grenzwert von 1,5 mg/m³ ist in vielen Fällen erreichbar, aber nur im Zusammenspiel von Mischgut, Fertiger und Transport. Wie sich Dämmung der Mulde, Abschiebetechnik und Temperaturführung auf Ihre Einbaustellen übertragen lassen, besprechen wir gern mit Ihnen. Alle Daten zum ASW Stone LKW Thermo finden Sie auf der Produktseite, für Fragen zur passenden Fahrzeugkonfiguration erreichen Sie das Team von Fliegl Baukom unter +49 8631 307-382 oder baukom@fliegl.com. Ausschreibungsvorlagen und weitere Unterlagen für Behörden und Ämter stehen auf der Seite Info für Behörden und Ämter bereit.

