Asphaltqualität beginnt in der Ausschreibung – warum die Transporttechnik ins Leistungsverzeichnis gehört

Homogene Einbautemperatur ist die Grundlage dauerhafter Asphaltschichten. Was Straßenbauämter beim Transport von Mischgut wissen müssen – und worauf es bei der Fahrzeugwahl wirklich ankommt.

Die Qualität einer Asphaltschicht entscheidet sich nicht erst am Fertiger. Sie beginnt an der Mischanlage und verändert sich mit jeder Minute, die das Mischgut unterwegs ist. Die Einbautemperatur bestimmt maßgeblich, wie gut sich eine Schicht verdichten lässt – und damit, wie lange sie unter Verkehrsbelastung standhält. Wer das als selbstverständlich behandelt, übersieht, wo in der Praxis die meisten Qualitätsverluste tatsächlich entstehen.

Das BMVI hat in seiner Rundverfügung RS 10/2013 festgelegt, dass Straßenbaumaßnahmen in Asphaltbauweise ab 2019 ausschließlich mit thermoisolierten Transportfahrzeugen abzuwickeln sind. Die Begründung liegt in der Messtechnik: Untersuchungen der TU Darmstadt an der BAB 3 sowie ein von der MA 28 Wien beauftragter Feldversuch belegen eindeutig, dass konventionelle Kipper im Transport Wärme verlieren, die kein nachgeheiztes Mischgut wieder ausgleichen kann.

 

Was die Messdaten zeigen

Die Ergebnisse des Wiener Feldversuchs aus dem Jahr 2015 sind aufschlussreich. Bei einem Transportweg von rund 50 km und einer Fahrtzeit von etwa 100 Minuten wurden folgende Temperaturverluste im Randbereich der Mulde gemessen:

  • Konventioneller Kipper (KK-LKW), Abstand 10 cm zur Seitenwand: durchschnittlicher Temperaturverlust von 25 °C
  • Thermoisoliertes Abschiebefahrzeug (TA-LKW), gleicher Messpunkt: durchschnittlicher Temperaturverlust von 15 °C
  • Im Abstand von 20 cm zur Seitenwand glichen sich die Verluste beider Fahrzeugtypen weitgehend an, mit rund 15 °C

Das bedeutet: Der kritische Bereich ist die Randzone des Mischguts, also genau dort, wo beim späteren Einbau die Kanten und Übergänge entstehen. Und dort ist der Unterschied zwischen den Fahrzeugtypen am größten.

 

Das eigentliche Problem ist nicht die Temperatur allein

Die durchschnittliche Einbautemperatur war in vielen Projekten der Vergangenheit kein primäres Ausschreibungsproblem. Was sich als hartnäckiges Qualitätsproblem erweist, ist die Entmischung des Mischguts während des Transports. Konventionelle Kippfahrzeuge – auch mit Thermoisolierung – können dieses Problem strukturell nicht lösen, weil der Abkippvorgang selbst eine Entmischung von Korngrößen und Bindemittelverteilung erzeugt.

Abschiebefahrzeuge übergeben das Mischgut durch eine gleichmäßige, kontinuierliche Bewegung an den Fertiger. Die Wärmebildaufnahmen aus dem TU-Darmstadt-Versuch zeigen, dass das Mischgut am Auslauf von thermoisolierten Mulden mit Abschiebetechnik deutlich gleichmäßigere Temperaturen aufweist als vergleichbares Material aus konventionellen Fahrzeugen. Diese Homogenität ist keine ästhetische Eigenschaft der Schicht – sie ist die Voraussetzung für einen gleichmäßigen Verdichtungsgrad über die gesamte Einbaubreite.

 

Was das für Ausschreibungen bedeutet

Wer als Straßenbauamt oder Vergabestelle Asphaltarbeiten ausschreibt, kann die Fahrzeugtechnik als Qualitätskriterium im Leistungsverzeichnis verankern. Der Mehraufwand für den Einsatz von thermoisolierten Abschiebefahrzeugen liegt nach vorliegenden Auswertungen bei etwa 0,5 bis 2,00 Euro je Tonne Mischgut. Einer einzigen Nachbesserung wegen unzureichender Verdichtung oder dokumentierter Entmischung stehen diese Kosten in keinem Verhältnis gegenüber.

Gemäß RVS 08.16.01 sind je nach Bindemittelsorte folgende Mindesteinbautemperaturen am Anlieferungsfahrzeug einzuhalten:

  • Straßenbaubitumen 50/70 und 70/100: über 140 °C (nicht temperaturabgesenktes Mischgut)
  • Polymermodifiziertes Bitumen PmB 25/55-65 und PmB 45/80-65: über 160 °C
  • PmB 45/80-50: über 150 °C

Diese Werte sind am Anlieferungsfahrzeug zu messen, vor der Entladung in den Fertiger. Bei Transportzeiten von über 60 Minuten und ungünstigen Witterungsbedingungen geraten konventionelle Kipper in diesem Temperaturbereich unter Druck.

 

Kontinuierlicher Einbau als Systemvoraussetzung

Temperaturhomogenität im eingebauten Belag setzt voraus, dass der Einbauprozess ohne Stop-and-Go abläuft. Jede Unterbrechung am Fertiger erzeugt eine Abkühlzone im frisch gelegten Material. Abschiebefahrzeuge ermöglichen durch ihre direkte Andockfunktion eine schnellere Mischgutübergabe als konventionelle Kipper, die erst nach ein bis zwei Minuten vollständig entladen sind. Das reduziert Standzeiten am Fertiger und hält die Taktung im Transportablauf stabiler.

Für Bauämter, die Straßenerhaltungsmaßnahmen unter Haushaltsdruck vergeben, ist das ein relevanter Aspekt. Weniger Unterbrechungen bedeuten in der Praxis mehr Einbaulänge pro Tag und eine gleichmäßigere Schichtdicke über den gesamten Abschnitt.

Wenn Sie wissen möchten, wie sich die Abschiebetechnik des ASW Asphaltprofi-Thermo in konkreten Referenzprojekten bewährt hat, finden Sie auf der Fliegl-Baukom-Website dokumentierte Baustellenberichte mit Messdaten aus der Praxis.