Asphalt-Recycling in der Praxis: Nachhaltigkeit und Qualität für Infrastrukturprojekte

Die Wiederverwendung von Asphalt hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen Thema im modernen Straßenbau entwickelt. Was früher oft als reine Entsorgungsfrage betrachtet wurde, ist heute ein technisch ausgereifter Prozess zur Gewinnung hochwertiger Baustoffe. Die Bauindustrie steht vor der Aufgabe, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig die hohen Qualitätsstandards für Verkehrsflächen zu sichern. Ausbauasphalt spielt dabei eine Schlüsselrolle. Er ist kein Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff, der bei fachgerechter Aufbereitung die gleichen Leistungsmerkmale wie neu produziertes Mischgut bietet. In diesem Artikel beleuchten wir die technischen Hintergründe, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die praktischen Verfahren, die eine hochwertige Wiederverwendung ermöglichen.

 

Der Wandel von der Entsorgung zur Wertschöpfung

Die Entwicklung der Asphaltproduktion in Deutschland zeigt einen klaren Trend. Während bis zur Wiedervereinigung die Produktionsmengen stetig stiegen, hat sich der Fokus mittlerweile verschoben. Der Neubau von Straßen tritt in den Hintergrund, während Erhaltungsmaßnahmen an Bedeutung gewinnen. Diese Verschiebung führt dazu, dass große Mengen an Ausbauasphalt anfallen. Bereits seit den späten 1970er Jahren wird Asphalt systematisch wiederverwendet. Die Quote ist dabei beeindruckend gestiegen. Lag die Wiederverwendungsmenge Anfang der 1980er Jahre noch im niedrigen Bereich, werden heute Millionen Tonnen Ausbauasphalt direkt in den Stoffkreislauf zurückgeführt.

Dieser Prozess ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) gibt hier die Richtung vor. Es fordert, Abfälle primär zu vermeiden und sekundär hochwertig zu verwerten. Für den Straßenbau bedeutet dies, dass Ausbauasphalt so aufbereitet werden muss, dass er erneut als Zuschlagstoff in der Asphaltproduktion dienen kann. Sobald das Material an der Mischanlage angenommen und gelagert wird, verliert es seinen Abfallstatus und wird zum Produkt. Diese rechtliche Einordnung ist entscheidend für die Akzeptanz und den breiten Einsatz von Asphaltgranulat.

 

Technische Anforderungen und Regelwerke

Die Qualität des Endprodukts steht und fällt mit der sorgfältigen Behandlung des Ausgangsmaterials. Die Technischen Lieferbedingungen für Asphaltgranulat (TL AG-StB) und für Asphaltmischgut (TL Asphalt-StB) definieren klare Kriterien. Ein entscheidender Faktor ist die Sortenreinheit. Um Asphaltgranulat in Deckschichten wiederverwenden zu können, muss das Fräsgut bereits an der Baustelle selektiv gewonnen werden. Das bedeutet, dass unterschiedliche Schichten getrennt gefräst und gelagert werden müssen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Gesteinskörnungen und das enthaltene Bitumen die spezifischen Anforderungen der neuen Mischgutsorte erfüllen.

Die Eignung des Granulats wird durch umfangreiche Laboruntersuchungen festgestellt. Dabei wird nicht nur die Korngrößenverteilung analysiert, sondern vor allem die Härte des im Granulat enthaltenen Bitumens. Da Bitumen über die Jahre altert und härter wird, muss bei der Wiederverwendung oft ein weicheres Frischbitumen oder ein Verjüngungsmittel zugegeben werden, um die gewünschten Bindemitteleigenschaften im neuen Asphalt einzustellen.

 

Verfahrenstechnik in der Mischanlage

Die Zugabe des Asphaltgranulats in der Mischanlage kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen der Kaltzugabe und der Warmzugabe.

Kaltzugabe: Das Granulat wird ohne vorherige Erwärmung direkt in den Mischer gegeben. Die notwendige Wärmeenergie zum Aufschmelzen des alten Bitumens und zum Erwärmen des Granulats muss durch überhitzte neue Gesteinskörnungen bereitgestellt werden. Dieses Verfahren ist technisch einfach umzusetzen, begrenzt jedoch die maximale Zugabemenge, da die Gesteinskörnungen nicht beliebig hoch erhitzt werden können, ohne das Bitumen zu schädigen.

Warmzugabe: Hierbei wird das Asphaltgranulat in einer separaten Trommel (Paralleltrommel) schonend erwärmt, bevor es dem Mischer zugeführt wird. Dies ermöglicht deutlich höhere Zugabemengen, da die Temperaturdifferenz zwischen den Komponenten geringer ist. Dieses Verfahren ist energetisch vorteilhaft und schont das Material.

Moderne Anlagentechnik erlaubt heute Zugabequoten, die weit über die früher üblichen Werte hinausgehen. In Tragschichten sind Anteile von 50 Prozent und mehr keine Seltenheit. Selbst in hochbelasteten Deckschichten ist die Verwendung von Asphaltgranulat mittlerweile Stand der Technik, sofern die strengen Qualitätskontrollen eingehalten werden.

 

Qualitätssicherung von der Gewinnung bis zum Einbau

Der Prozess der Wiederverwendung beginnt bereits auf der Straße. Das Fräsen ist der erste Schritt der Aufbereitung. Moderne Fräsen können Beläge millimetergenau abtragen. Dies ist essenziell, um teerhaltige Schichten von unbelastetem Asphalt zu trennen oder um Deckschichtmaterial sortenrein zu gewinnen. Das gewonnene Material wird anschließend auf dem Lagerplatz der Mischanlage konditioniert. Dazu gehört das Brechen von Schollen und das Absieben auf die gewünschte Korngröße. Eine trockene Lagerung, idealerweise in einer Halle, ist von großem Vorteil. Feuchtigkeit im Granulat muss im Mischer verdampft werden, was unnötig viel Energie verbraucht.

Die kontinuierliche Überwachung der Granulat-Eigenschaften ist unerlässlich. Schwankungen in der Zusammensetzung des Fräsguts müssen erkannt und bei der Rezeptur des neuen Mischguts ausgeglichen werden. Dies erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und präzise Labortechnik. Die Verantwortung liegt hier beim Mischguthersteller, der durch die werkseigene Produktionskontrolle die Konformität mit den Normen sicherstellt.

 

Prozesssicherheit durch moderne Abschiebetechnik

Die hohen Anforderungen an die Homogenität und Temperaturstabilität von Asphalt mit Recyclinganteil enden nicht am Mischwerk, sondern setzen sich beim Transport und Einbau fort. Herkömmliche Kippmulden bergen oft das Risiko, dass sich das Mischgut beim Abkippen entmischt – grobe Bestandteile rollen nach außen, feine bleiben im Kern. Die Fliegl Abschiebetechnik eliminiert dieses Problem: Das Material wird nicht gekippt, sondern gleichmäßig und kontrolliert aus der Mulde geschoben. Dies bewahrt die im Labor und Mischwerk mühsam eingestellte Kornverteilung bis zur Übergabe an den Fertiger.

Zusätzlich spielt die Temperaturhaltung eine entscheidende Rolle, gerade wenn das alte Bitumen im Granulat durch Wärme reaktiviert werden muss. Der „Asphaltprofi Thermo“ wirkt hier als thermisch isoliertes System, das Temperaturverluste während des Transports minimiert. Sie stellen damit sicher, dass das Mischgut im optimalen Temperaturfenster auf der Baustelle ankommt und sich verdichten lässt. Durch das dosierte Abschieben ermöglichen Sie zudem einen kontinuierlichen Materialfluss ohne Unterbrechungen, was die Einbauqualität der Deckschichten weiter steigert. Mit dieser Technik erfüllen Sie die Qualitätsvorgaben zuverlässig und sichern sich Wettbewerbsvorteile bei anspruchsvollen Ausschreibungen.